Pressemitteilung vom 6. Februar 1997

Greenpeace:

Bundeslandwirtschaftsminister Borchert muß Gen-Mais verbieten

Hamburg/Brüssel, 6.2.1997. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace verlangt vom Bundeslandwirtschaftsminister Jochen Borchert (CDU), Einfuhr und Anbau der genmanipulierten Maispflanzen des Chemiekonzerns Ciba-Geigy in der Bundesrepublik zu verbieten. Nachdem die europaweite Zulassung für gentechnisch manipulierten Mais in dieser Woche rechtskräftig geworden ist, muß nun ein nationaler Alleingang erfolgen. Österreich hat Gen-Mais-Importe heute bereits verboten. Mais wird als Tierfutter verwendet und landet auch als Stärke in vielen Lebensmitteln.

"Bevor das Ministerium in den Karneval entschwindet, sollte sich Borchert Gedanken machen, wie er nun endlich Verbraucherschutz ernst nehmen und den Gen-Mais verhindern kann", so Jörg Naumann, Gentechnik-Experte von Greenpeace. Am 18.Dezember 1996 hatte sich die EU-Kommission dafür ausgesprochen, die Gentech-Pflanze auf dem europäischen Markt zuzulassen, und zwar die Einfuhr ebenso wie den Anbau. Anders als die frostempfindliche Soja kann der Gen-Mais auch in Deutschland gepflanzt werden.

Greenpeace sieht in der neuartigen Pflanze drei Risiken. Zum einen ist der Ciba-Mais gegen das Pflanzengift Basta resistent. So kann auf Gen-Maisfeldern in Zukunft ungenierter gespritzt werden, da der Mais das Gift überlebt. Zum zweiten wurde ihm ein bakterielles Insektengift eingepflanzt, das zum Beispiel die Raupen von "Maisschädlingen" tötet. Bisher wird dieses sanfte, biologische Gift nur sehr gezielt von Biobauern eingesetzt. Beim großflächigen Anbau des Gen-Maises besteht die Gefahr, daß Insekten innerhalb kurzer Zeit Widerstandskräfte entwickeln, so daß dieses Mittel auch für den Öko-Landbau verloren ist. Und zum dritten trägt der Mais eine Resistenz gegen das Antibiotikum Ampicillin, das in der Tier- und Humanmedizin zur Behandlung u.a. von Lungenkrankheiten eingesetzt wird. Über die Nahrungskette kann diese Resistenz auch an menschliche Darmbakterien weitergeben werden. So besteht die Gefahr, daß immer mehr Antibiotika wirkungslos werden.

"Das Letzte, was Verbraucher und Landwirte jetzt brauchen, ist ein neuer Lebensmittel- und Tierfutterskandal", sagt Jörg Naumann. Die Bundesrepublik muß dem österreichischen Beispiel folgen. Das Nachbarland hat heute mittag unmittelbar nach Bekanntwerden der Entscheidung ein Gen-Mais-Verbot erlassen, um Konsumenten und Bauern vor den Gefahren zu schützen. Dieses Importverbot ist nach Artikel 16 der EU-Richtlinie über die Freisetzung von gentechnisch manipulierte Organismen möglich.


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