dpa 11.02.97 11:39

Copyright dpa, 1997

Unilever mit 13 Prozent mehr Gewinn - Chemiesektor wird verkauft

Rotterdam (dpa) - Der niederländisch-britische Nahrungs- und Waschmittelkonzern Unilever NV hat seinen Gewinn 1996 um 13 Prozent auf 4,2 Milliarden Gulden gesteigert. Bis zum Jahresende will Unilever seinen Chemiebereich verkaufen, einen der vier Hauptsparten. "Das ist eine ziemlich drastische Änderung", sagte der Vorstandsvorsitzende Morris Tabaksblat am Dienstag in Rotterdam. "Das Gesicht von Unilever wird dadurch in nicht geringem Maße verändert werden." Über einen Verkauf der deutschen Fischrestaurant-Kette Nordsee hat das Unternehmen noch nicht entschieden.

Der Chemiebereich verzeichnete 1996 einem Umsatz von 7,7 Milliarden Gulden. Das sind neun Prozent des Gesamtumsatzes. Zu dem Bereich gehören die US-National Starch and Chemical Company, die britische Crosfield und die beiden niederländischen Unternehmen Quest und Unichema. Zusammen sind dort 15 900 Mitarbeiter beschäftigt. Die Verhandlungen mit Kaufinteressenten müssen nach Angaben Tabaksblats noch beginnen. Der Konzernchef begründete die Entscheidung damit, daß sich Unilever künftig ganz auf seiner Ernährungs-, Reinigungs- und Körpferpflegeprodukte konzentrieren wolle.

Langfristig will Unilever Teilbereiche mit einem Umsatzanteil von 15 Prozent abgestoßen. Eventuell wird auch die Nordsee GmbH (Bremerhaven) dazu gehören. "Wir denken über die Zukunft dieses Betriebes nach", sagte Tabaksblat. Reine Spekulation sei ein Bericht der britischen Zeitung "The Observer", wonach Unilever die Restaurantkette für 200 Millionen Pfund (40 Mio DM) an einen skandinavischen Interessenten verkaufen wolle.

"Finanziell ist 1996 gut verlaufen", sagte Tabaksblat. Unilever steigerte seinen Umsatz um zehn Prozent auf 87,8 Milliarden Gulden. Die Schlußdividende beträgt 4,75 Gulden pro Aktie, die Gesamtdividende 6,98 Gulden, 13 Prozent mehr als 1996. Für 1997 erwartet Unilever eine günstige Entwicklung.

Umsätze und Gewinne stiegen 1996 weltweit. Nur die Situation in Frankreich und besonders in Deutschland bereite ihm Sorgen, sagte Tabaksblat. "Unsere deutschen Kollegen erwarten erst in den nächsten Jahren, wenn Steuerreformen stattfinden, positive Impulse." Schwere Verluste brachte die BSE-Krise. Die Nachfrage nach Tiefkühlkost wie Hamburgern sank stark. Der Eisverkauf ging ebenfalls zurück. Tabaksblat begründete dies mit dem verregneten Sommer in Europa.

Vehement verteidigte der Vorstandsvorsitzende die Entwicklung genmanipulierter Lebensmittel. "Wir glauben an diese Technologie", sagte er. Die Gentechnologie sei neben der Informationstechnologie die vielversprechenste Branche überhaupt. Er gebe aber zu, daß die Verbraucher in Deutschland stark beunruhigt seien. "Anscheinend ist die Information darüber bisher nicht gut genug gewesen", sagte Tabaksblat. dpa cd hn


Übersicht