Unilever mit 13 Prozent mehr Gewinn - Chemiesektor wird verkauft
Rotterdam (dpa) - Der niederländisch-britische Nahrungs- und Waschmittelkonzern
Unilever NV hat seinen Gewinn 1996 um 13 Prozent auf 4,2 Milliarden Gulden
gesteigert. Bis zum Jahresende will Unilever seinen Chemiebereich verkaufen,
einen der vier Hauptsparten. "Das ist eine ziemlich drastische Änderung",
sagte der Vorstandsvorsitzende Morris Tabaksblat am Dienstag in Rotterdam.
"Das Gesicht von Unilever wird dadurch in nicht geringem Maße verändert
werden." Über einen Verkauf der deutschen Fischrestaurant-Kette Nordsee
hat das Unternehmen noch nicht entschieden.
Der Chemiebereich verzeichnete 1996 einem Umsatz von 7,7 Milliarden
Gulden. Das sind neun Prozent des Gesamtumsatzes. Zu dem Bereich gehören
die US-National Starch and Chemical Company, die britische Crosfield und
die beiden niederländischen Unternehmen Quest und Unichema. Zusammen sind
dort 15 900 Mitarbeiter beschäftigt. Die Verhandlungen mit Kaufinteressenten
müssen nach Angaben Tabaksblats noch beginnen. Der Konzernchef begründete
die Entscheidung damit, daß sich Unilever künftig ganz auf seiner Ernährungs-,
Reinigungs- und Körpferpflegeprodukte konzentrieren wolle.
Langfristig will Unilever Teilbereiche mit einem Umsatzanteil von 15
Prozent abgestoßen. Eventuell wird auch die Nordsee GmbH (Bremerhaven)
dazu gehören. "Wir denken über die Zukunft dieses Betriebes nach",
sagte Tabaksblat. Reine Spekulation sei ein Bericht der britischen Zeitung
"The Observer", wonach Unilever die Restaurantkette für 200 Millionen
Pfund (40 Mio DM) an einen skandinavischen Interessenten verkaufen wolle.
"Finanziell ist 1996 gut verlaufen", sagte Tabaksblat. Unilever
steigerte seinen Umsatz um zehn Prozent auf 87,8 Milliarden Gulden. Die
Schlußdividende beträgt 4,75 Gulden pro Aktie, die Gesamtdividende 6,98
Gulden, 13 Prozent mehr als 1996. Für 1997 erwartet Unilever eine günstige
Entwicklung.
Umsätze und Gewinne stiegen 1996 weltweit. Nur die Situation in Frankreich
und besonders in Deutschland bereite ihm Sorgen, sagte Tabaksblat. "Unsere
deutschen Kollegen erwarten erst in den nächsten Jahren, wenn Steuerreformen
stattfinden, positive Impulse." Schwere Verluste brachte die BSE-Krise.
Die Nachfrage nach Tiefkühlkost wie Hamburgern sank stark. Der Eisverkauf
ging ebenfalls zurück. Tabaksblat begründete dies mit dem verregneten Sommer
in Europa.
Vehement verteidigte der Vorstandsvorsitzende die Entwicklung genmanipulierter Lebensmittel. "Wir glauben an diese Technologie", sagte er. Die Gentechnologie sei neben der Informationstechnologie die vielversprechenste Branche überhaupt. Er gebe aber zu, daß die Verbraucher in Deutschland stark beunruhigt seien. "Anscheinend ist die Information darüber bisher nicht gut genug gewesen", sagte Tabaksblat. dpa cd hn