dpa 25.02.97 18:11

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Rotblat: Klonen bedroht die Zukunft der Menschheit

London (dpa) - Der britische Physiker und Friedensnobelpreisträger Joseph Rotblat hat nach dem Klonen eines Schafes in Großbritannien vor den unabsehbaren Folgen der Gentechnik gewarnt.

Im Rundfunksender BBC verglich der in London lebende Wissenschaftler am Dienstag die Fortschritte bei der Genmanipulation mit der Atomspaltung, gegen die er sein Leben lang gekämpft hat. "Meine Sorge ist, daß der wissenschaftliche Fortschritt in eine andere Form der Massenvernichtung mündet, deren Mittel noch leichter verfügbar sind als Atomwaffen", erklärte Rotblat. Der Professor für Physik hatte 1995 den Friedensnobelpreis erhalten.

Rotblat forderte die Einsetzung einer internationalen Ethik- Kommission zur Überwachung der wissenschaftlichen Arbeit auf so heiklen Gebieten wie der Gentechnik. "Man kann nicht voraussehen, was wissenschaftliche Forschungen erbringen. Aber ich befürchte angesichts dessen, was bereits auf dem Gebiet der Gentechnik erreicht worden ist, daß daraus eine Bedrohung für die Menschheit entstehen könnte". Er bezweifle, daß Politiker der Entwicklung Einhalt gebieten könnten, fügte Rotblat hinzu.

Wissenschaftlern des schottischen Roslin Institute war es gelungen, ein Lamm aus den Euterzellen eines erwachsenen Schafs zu klonen. Theoretisch ist diese Methode auch auf den Menschen anwendbar.

Während US-Präsident Bill Clinton sich kritisch zum Kopieren von Lebewesen äußerte, hat die Problematik in Großbritannien auf politischer Ebene kaum Wellen geschlagen. Der Labour-Politiker Lord Winston sagte der BBC, es bestehe "kein dringender Diskussionsbedarf." Nach seiner Ansicht gibt es "absolut keine Möglichkeit, daß Menschen in näherer Zukunft geklont werden könnten."

Der deutsche Forschungsminister Jürgen Rüttgers forderte am Dienstag dagegen einen verantwortungsvollen Umgang mit den Methoden der Gentechnik. "Den geklonten Menschen darf und wird es nicht geben", sagte er.

Auch bei den Kirchen wuchsen Bedenken nach den Experimenten in Schottland. Die Deutsche Bischofskonferenz verurteilte das Klonen als unzulässigen Eingriff in die Schöpfung. "Das Klonen des Menschen ist im tiefsten Sinne unmenschlich", sagte der katholische Moraltheologe und Berater der Deutschen Bischofskonferenz, Johannes Reiter.

Auch Abgeordnete des Europäischen Parlaments zeigten sich beunruhigt. Die sozialdemokratische EU-Abgeordnete Dagmar Roth- Behrendt nannte das Klonen "unethisch und unnötig". Sie forderte eine europäische Ethik-Kommission, die auch mit den USA und Japan verknüpft sei.

Innerhalb der EU wird die Genforschung meist nationaler Gesetzgebung überlassen. Es gibt nur Richtlinien über die Freisetzung von gentechnisch veränderten Mikroorganismen und über den Umgang mit ihnen in Labors. dpa at aj


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