dpa 25.02.97 15:47

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Nach geklontem Schaf wächst die Angst vor kopiertem Mensch

Hamburg (dpa) - Nach dem Klonen eines ausgewachsenen Schafes in Schottland wächst die Angst vor dem kopierten Menschen. Der deutsche Forschungsminister Jürgen Rüttgers forderte am Dienstag einen verantwortungsvollen Umgang mit den Methoden der Gentechnik. "Den geklonten Menschen darf und wird es nicht geben", sagte er.

US-Präsident Bill Clinton hatte am Vortag von einer nationalen Experten-Kommission einen Bericht über die ethischen Konsequenzen aus der Gentechnik angefordert. Er betrachte das Klonen "als sehr besorgniserregendes Thema" sagte ein Sprecher des Weißen Hauses in Washington.

Wissenschaftler am Roslin Institute (Edinburgh) hatten in dem Lamm "Dolly" erstmals eine exakte Kopie eines erwachsenen Säugetieres produziert.

Auch bei den Kirchen wuchsen Bedenken nach den Experimenten in Schottland. Die Deutsche Bischofskonferenz verurteilte das Klonen als unzulässigen Eingriff in die Schöpfung. "Das Klonen des Menschen ist im tiefsten Sinne unmenschlich", sagte der katholische Moraltheologe und Berater der Deutschen Bischofskonferenz, Johannes Reiter .

Auch Abgeordnete des Europäischen Parlaments zeigten sich beunruhigt. Die sozialdemokratische EU-Abgeordnete Dagmar Roth- Behrendt nannte das Klonen "unethisch und unnötig". Sie forderte eine europäische Ethik-Kommission, die auch mit den USA und Japan verknüpft sei.

Innerhalb der EU wird die Genforschung meist nationaler Gesetzgebung überlassen. Es gibt nur Richtlinien über die Freisetzung von gentechnisch veränderten Mikroorganismen und über den Umgang mit ihnen in Labors.

Mit der Technik der schottischen Wissenschaftler ist ein männliches Tier zur Vervielfältigung von Säugern nicht mehr nötig. Die Forscher hatten aus dem Euter eines ausgewachsenen Schaf einen Zellkern entnommen und in eine entkernte und unbefruchtete Eizelle eingesetzt. Diese Eizelle mit dem neuen Erbgut pflanzten sie in ein anderes Schaf ein.

Daraufhin wurde vor sieben Monaten das Lamm "Dolly" geboren. Es gleicht exakt dem Schaf, von dem die Euterzelle stammt. Auf diese Weise können Säugetiere mit gewünschten Eigenschaften beliebig vervielfältigt werden. Menschen können derzeit nicht mit dieser Methode geklont werden. Bislang hatten Forscher lediglich Kopien von befruchteten Säugetier-Eizellen oder Embryonen produziert und austragen lassen.

Unterdessen registrierte das schottische Unternehmen "PPL Therapeutics", die das Klon-Experiment "Dolly" am Roslin Institute finanziert hatte, eine starke Nachfrage an der Aktienbörse in London. Der Kurs ihrer Aktie stieg am Dienstag früh um 37,5 Pence auf 425 Pence. dpa tm/kh/th/ku ru


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