Forscher weisen Spuren fremder Erbsubstanz bei Mäusen nach
Grüne fürchten "therapeutische Katastrophe"
/ Bonn soll Import von gentechnisch
verändertem Mais verbieten
Von Michael Emmrich
FRANKFURT A. M., 25. Februar. Österreich und Luxemburg haben jüngst ein Importverbot für gentechnisch veränderten Mais aus den USA beschlossen. Vor allem die Alpenrepublik stützt sich dabei auf eine Untersuchung Kölner Forscher.
Wegen dieser Studie fordert die bündnisgrüne Europaabgeordnete Hiltrud Breyer ein Importverbot auch für Deutschland. Denn die Experimente hatten die vermuteten Risiken für Verbraucher beim Verzehr von gentechnisch manipulierter Nahrung nachgewiesen.
Walter Dörfler und Rainer Schubbert von der Uni Köln haben in einem Mäuseexperiment belegt, daß mit der Nahrung aufgenommene fremde Erbsubstanz nicht komplett verdaut, sondern zum Teil in die Körperzellen der Nager aufgenommen wird und dort mehrere Stunden verbleibt.
Die Wissenschaftler hatten Mäusen das Virus M 13 wahlweise in den Mund geträufelt und unter die Nahrung gemischt. Nachdem die Substanzen Magen und Darm passiert hatten, waren rund 95 Prozent der fremden Erbsubstanz abgebaut. Teilstücke der fremden Gene fanden sich aber noch in weißen Blutkörperchen, in Zellen von Milz, Leber und Darm. Am längsten - nämlich bis zu 18 Stunden nach der Nahrungsaufnahme - waren diese im Blinddarm, dem Hauptverdauungsorgan der Maus, nachzuweisen.
Ein Versuch dieser Art, sagt Rainer Schubbert der FR, sei weltweit bisher "noch nie durchgeführt" worden. Bisher ist den Kölnern der Nachweis fremder Erbsubstanz nur in kurzlebigen Zellen gelungen, nicht aber in Nieren und Muskeln. Ein besonderes Risiko durch genmanipulierte Nahrung sieht der Forscher allerdings nicht. Denn es sei unwahrscheinlich, daß ein komplettes Gen in die Körperzelle eingebaut werde. Zudem müßten auch Promotoren mit integeriert werden, die das fremde Gen erst zur Arbeit veranlassen. Da durch die fremde Erbsubstanz etwa menschliche Ei- und Samenzellen verändert würden und so auch Auswirkungen auf Nachkommen zeitigen könnten, wertet Schubbert als "spekulativ" und "theoretische Spielerei".
Claudia Eckelkamp vom Freiburger Mkoinstitut stellt dagegen fest: Die Annahme, daß hochmolekulare Substanzen in Magen und Darm des Menschen schnell abgebaut würden, konnte sich nun in vielen Fällen als falsch erweisen. Die Versuchsanordnungen, mit denen gentechnisch hergestellte Nahrungsmittel im Labor getestet werden, gäben womöglich nicht die reale Situation wieder. Die bisherige Zulassungspraxis und die Testmethoden bedürften deshalb einer "erneuten Überprüfung". Und sollte fremde in körpereigene Erbsubstanz eingebaut werden, "ergeben sich durch den Verzehr von Gentechnik-Lebensmitteln neue Risiken".
Als solche nennt Hiltrud Breyer vor allem eine Zunahme von Allergien und ein Versagen von Antibiotika. Dafür sei der Mais von Ciba-Geigy ein gutes Beispiel. Denn dieser Mais hat ein Gen, das die Pflanze gegen Antibiotika unempfindlich macht. Werde diese Information von Erregern im Menschen aufgenommen, fielen dagegen gerichtete Arzneien aus. Dies wäre eine "therapeutische Katastrophe".
Die EU hat die Einfuhr von Gen-Mais aus den USA inzwischen erlaubt, nachdem der Import einige Wochen illegal geschah. Der Anbau der genmanipulierten Pflanze innerhalb der EU ist dagegen nicht genehmigt. Mit dem Hinweis auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse und das "Vorsorgeprinzip" hat Österreich die Einfuhr des Gen-Maises gestoppt.
Hiltrud Breyer resuemiert deshalb: "Es gibt keinen Grund, warum die deutsche Bevölkerung nicht genauso wie die österreichische geschützt werden soll." Am 10. März will das EU-Parlament über eine Resolution abstimmen, die den vorläufigen Einfuhrstopp von Gen-Mais zum Ziel hat.
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