Geklontes Leben zwischen Horrorvision und medizinischem Nutzen Von Simone
Humml, dpa
Hamburg (dpa) - Armeen identischer Soldaten oder das Gebären eben gestorbener
Menschen - diese Horrorvisionen wurden nach dem exakten Kopieren eines
erwachsenen Schafes in Schottland heraufbeschworen. "Mit der Kloniertechnik
ist es wie mit dem "Zauberlehrling" - 'die ich rief die Geister,
werd' ich nun nicht los'", sagt Oberarzt Thomas Struwitzki vom Frauenklinikum
Großhadern der Ludwig-Maximilians- Universität München am Mittwoch der
dpa.
Das geklonte Lamm "Dolly" wurde geboren, nachdem Forscher
vom Roslin Institute (Edinburgh) eine Eizelle mit dem kompletten Erbgut
eines erwachsenen Schafes von einem anderen Schaf austragen ließen. "Wenn
solche Methoden da sind, gibt es auch Leute, die das technische Know-How
mißbrauchen", meint Struwitzki mit Blick auf eine in Zukunft eventuell
mögliche Klonierung des Menschen.
Diese Forscher könne derjenige, der die Technik entwickelt habe, nicht
mehr aufhalten. Das seien dann aber Mediziner, die keine ethische und moralische
Basis hätten. "Rein technisch kann man nicht ausschließen, daß eine
solche Methode eines Tages auch beim Menschen anwendbar ist." In Deutschland
sei diese Kloniertechnik jedoch nicht möglich, da es nach dem Embryonenschutz-Gesetz
keine Handhabe dafür gibt. Auch sei dies ethisch unvorstellbar.
Auch der Gentechnik-Berater des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller,
Professor Peter Stadler, glaubt nicht, daß jemand aus krankhafter wissenschaftlicher
Neugier derartige Methoden am Menschen ausprobiert. "Die biomedizinische
Szene in Deutschland ist sehr kompakt und transparent", sagte Stadler,
der Leiter des Pharma-Biotechnologie des Unternehmens Bayer ist.
Es sei jedoch nicht mit absoluter Sicherheit zu verhindern, daß andere
Länder entsprechende Klonierungsversuche mit menschlichen Zellen machen.
Die weltweiten Verbände der Biotechnikindustrie sollten daher Richtlinien
aufstellen, die für alle Wissenschaftler verbindlich sind. Dies könne etwa
die Weltgesundheitsorganisation WHO in Genf initiieren.
In der Arzneimittelproduktion durch Tiere kann das Klonen nach Ansicht
Stadlers jedoch von großem Nutzen werden. "Es sollte jedoch nur dann
angewandt werden, wenn durch andere technische Verfahren die Arznei nicht
oder nicht in ausreichenden Mengen produziert werden kann." Jegliche
Anwendung am Menschen - auch zur künstlichen Befruchtung - lehnt er ab.
Die schottische Biotechnologie-Firma "PPL Therapeutics" will
mit Hilfe geklonter Schafe Eiweiße herstellen, die Patienten mit bestimmten
Krankheiten fehlen. Sie hatten die Klon- Experimente der schottischen Forscher
mitfinanziert.
Bislang ist umstritten, ob besonders produktive Tiere für die Landwirtschaft geklont werden sollten. Der Deutsche Bauernverband in Bonn forderte, das Klonen erwachsener Nutztiere aus ethischen Gründen zu verbieten. Der Agrarwissenschaftler Professor Rolf Claus ist der Auffassung, daß die zum Patent angemeldete Methode der schottischen Biotechniker ohnehin nicht der Bekämpfung des Welthungers dient. "Im Endeffekt heißt Patentieren, daß jemand damit Gewinne machen will", sagte Claus. dpa ra