dpa 26.02.97 16:36

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Geklontes Leben zwischen Horrorvision und medizinischem Nutzen Von Simone Humml, dpa

Hamburg (dpa) - Armeen identischer Soldaten oder das Gebären eben gestorbener Menschen - diese Horrorvisionen wurden nach dem exakten Kopieren eines erwachsenen Schafes in Schottland heraufbeschworen. "Mit der Kloniertechnik ist es wie mit dem "Zauberlehrling" - 'die ich rief die Geister, werd' ich nun nicht los'", sagt Oberarzt Thomas Struwitzki vom Frauenklinikum Großhadern der Ludwig-Maximilians- Universität München am Mittwoch der dpa.

Das geklonte Lamm "Dolly" wurde geboren, nachdem Forscher vom Roslin Institute (Edinburgh) eine Eizelle mit dem kompletten Erbgut eines erwachsenen Schafes von einem anderen Schaf austragen ließen. "Wenn solche Methoden da sind, gibt es auch Leute, die das technische Know-How mißbrauchen", meint Struwitzki mit Blick auf eine in Zukunft eventuell mögliche Klonierung des Menschen.

Diese Forscher könne derjenige, der die Technik entwickelt habe, nicht mehr aufhalten. Das seien dann aber Mediziner, die keine ethische und moralische Basis hätten. "Rein technisch kann man nicht ausschließen, daß eine solche Methode eines Tages auch beim Menschen anwendbar ist." In Deutschland sei diese Kloniertechnik jedoch nicht möglich, da es nach dem Embryonenschutz-Gesetz keine Handhabe dafür gibt. Auch sei dies ethisch unvorstellbar.

Auch der Gentechnik-Berater des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller, Professor Peter Stadler, glaubt nicht, daß jemand aus krankhafter wissenschaftlicher Neugier derartige Methoden am Menschen ausprobiert. "Die biomedizinische Szene in Deutschland ist sehr kompakt und transparent", sagte Stadler, der Leiter des Pharma-Biotechnologie des Unternehmens Bayer ist.

Es sei jedoch nicht mit absoluter Sicherheit zu verhindern, daß andere Länder entsprechende Klonierungsversuche mit menschlichen Zellen machen. Die weltweiten Verbände der Biotechnikindustrie sollten daher Richtlinien aufstellen, die für alle Wissenschaftler verbindlich sind. Dies könne etwa die Weltgesundheitsorganisation WHO in Genf initiieren.

In der Arzneimittelproduktion durch Tiere kann das Klonen nach Ansicht Stadlers jedoch von großem Nutzen werden. "Es sollte jedoch nur dann angewandt werden, wenn durch andere technische Verfahren die Arznei nicht oder nicht in ausreichenden Mengen produziert werden kann." Jegliche Anwendung am Menschen - auch zur künstlichen Befruchtung - lehnt er ab. Die schottische Biotechnologie-Firma "PPL Therapeutics" will mit Hilfe geklonter Schafe Eiweiße herstellen, die Patienten mit bestimmten Krankheiten fehlen. Sie hatten die Klon- Experimente der schottischen Forscher mitfinanziert.

Bislang ist umstritten, ob besonders produktive Tiere für die Landwirtschaft geklont werden sollten. Der Deutsche Bauernverband in Bonn forderte, das Klonen erwachsener Nutztiere aus ethischen Gründen zu verbieten. Der Agrarwissenschaftler Professor Rolf Claus ist der Auffassung, daß die zum Patent angemeldete Methode der schottischen Biotechniker ohnehin nicht der Bekämpfung des Welthungers dient. "Im Endeffekt heißt Patentieren, daß jemand damit Gewinne machen will", sagte Claus. dpa ra


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