Greenpeace erhebt Einspruch gegen Monsanto-Patent auf Nutzpflanzen
München, 6.3.1997. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat heute beim Europäischen Patentamt in München Widerspruch gegen ein europaeisches Patent des Chemiekonzerns Monsanto auf gentechnisch manipulierte Pflanzen erhoben.
Monsanto beansprucht das Besitzrecht an allen Pflanzen, die gegen dessen Pflanzengift Roundup resistent sind. Dazu gehören auch die umstrittenen gentechnisch manipulierten Sojabohnen des Konzerns.
Greenpeace sowie die Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft und die Initiative "Kein Patent auf Leben" sehen in der Patentierung von Pflanzen und Tieren eine Gefahr für die genetische Vielfalt und die Unabhängigkeit der Landwirtschaft. Das teilten Vertreter der Organisationen heute auf einer Pressekonferenz in München mit.
Zeitgleich protestieren 60 Aktivisten aus 19 Ländern vor der Brüsseler Zentrale des Monsanto-Konzerns gegen die Gentechnik-Projekte des Konzerns. Die Umweltschützer bauten eine Wand vor dem Eingang des Konzerngebäudes auf und fordern ein Ende der gentechnischen Experimente mit Nahrungsmitteln.
Die Patentierung von Pflanzen und Tieren ist nach dem Europäischem Patentübereinkommen (EPUe) von 1970 nicht zulässig. Unmißverständlich heißt es in Artikel 53 (b):" Europäische Patente werden nicht erteilt für (...)Pflanzensorten oder Tierarten sowie für im wesentlichen biologische Verfahren zur Züchtung von Pflanzen und Tieren."
Gegen dieses geltende Recht laufen Gentechnik-Unternehmen wie der US-Multi Monsanto seit Jahren Sturm. Auf der einen Seite versuchen sie durch juristische Spitzfindigkeiten, die Bestimmungen des Übereinkommens systematisch aufzuweichen. Auf der anderen Seite betreiben sie mit Unterstützung der Europäischen Kommission seit über 10 Jahren die Verabschiedung einer EU-Richtlinie zur Patentierung von Lebewesen, die das EPUe faktisch aushebeln soll.
Am Beispiel der Monsanto-Sojabohne zeigt sich, welche weitreichenden Folgen ein Patent haben kann. Die Bauern, die die Roundup Ready Bohnen anbauen, mußten Monsanto vertraglich zusichern, daß sie aus der Ernte kein eigenes Saatgut gewinnen, ausschließlich das Pflanzengift von Monsanto auf ihren Äckern ausbringen werden und Vertretern des Unternehmens zu Kontrollzwecken jederzeit Zugang zu den Felder gewähren.
"Was sich hier abzeichnet, ist eine Art technologische Leibeigenschaft," kritisiert Benedikt Härlin von Greenpeace Deutschland. Monsanto kauft derzeit systematisch Saatgut-Unternehmen auf und erwartet nach eigenem Bekunden "fundamentale Veränderungen" des Marktes. Damit reduzieren einige wenige multinationale Konzerne die Vielfalt der eingesetzten Pflanzen- und Tiersorten auf ein hochriskantes Minimum. Sie bemächtigen sich zugleich der genetischen Vielfalt, die bald nicht mehr in der Natur bzw. bei den Bauern, sondern nur noch in Gen-Banken zu finden sein wird.