Greenpeace-Aktion auf dem Kölner Dom als Zeichen des Protestes gegen gentechnische Manipulation von Pflanzen und Tieren
Köln, 26.3.1997. 40 Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace demonstrieren heute am und auf dem Kölner Dom gegen die gentechnische Manipulation von Lebewesen.
Mehrere Greenpeace-Kletterer gelangten auf die beiden Türme des Sakralbaus und befestigten dort ein Banner mit der Aufschrift: "Mensch ist nicht Gott - stoppt Genmanipulation". Greenpeace sieht in der Freisetzung genmanipulierter Organismen eine Gefährdung der Artenvielfalt, der Ökosysteme und damit der Schöpfung.
"Wir wollen damit nicht der katholischen Kirche auf's Dach steigen", so Jörg Naumann, Gentechnik-Fachmann von Greenpeace, "aber das Thema der Genmanipulation von Lebewesen muß unbedingt von allen gesellschaftlichen Kreisen diskutiert werden." Die Artenvielfalt in der Landwirtschaft und die Vielfalt der natürlichen Ökosysteme sind durch gentechnisch manipulierte Supertiere und -pflanzen in Gefahr.
Die meisten Gentech-Projekte in der Landwirtschaft haben für den Verbraucher allerdings keinerlei Nutzen, sie erhöhen nur die Gewinne der Chemiekonzerne wie Monsanto oder Novartis (Ciba-Geigy und Sandoz). Greenpeace kämpft seit Monaten gegen die Einführung gentechnisch manipulierter Rohstoffe in Lebensmitteln, beispielsweise Soja und Mais.
In zahlreichen europäischen Ländern wächst inzwischen der Widerstand gegen Gentechnik im Essen. So mußte in der vergangenen Woche ein großer Süßwarenproduzent in der Schweiz ca. 500 Tonnen "Toblerone"-Schokolade vom Markt nehmen, weil in den Rohstoffen Gentech-Soja gefunden wurde.
Den Menschen in Europa muß zumindest die Wahl bleiben, ob sie Gentech-Essen zu sich nehmen wollen oder nicht. Die Chemiekonzerne werden auf die Fortsetzung ihrer Gentech-Projekte nicht verzichten, es sei denn alle Gentechnik-Produkte etwa im Lebensmittelbereich bleiben unverkäuflich. Dazu ist der geballte Widerstand der gesamten Gesellschaft nötig.
Die Klonung des Schafes Dolly zeigt, daß den Wissenschaftlern im Umgang mit Erbgut in Theorie und Praxis keine Grenzen gesetzt werden. Bei Dolly handelt es sich nur um ein Schaf , aber schon jetzt experimentieren Forscher in Polen mit menschlichen Wachstumsgenen in Karpfen und in Schottland wollen Wissenschaftler menschliche Gene in Kühen einbauen. Die ungebremste Manipulation von Lebewesen durch die Gentechnik muß verhindert werden.
Hier sieht Greenpeace auch die Kirchen in der Pflicht, sich aus ethischen Gründen auf die Seite der Gentechnik-Gegner zu stellen.