Greenpeace-Protest bei Raiffeisen: Keine Gentechnik ins Tierfutter!
Würzburg, 25. 4. 1997. Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace haben sich heute morgen von dem Dach der Raiffeisen Kraftfutterwerk Süd GmbH abgeseilt. Sie entfalteten ein großes Banner mit der Aufschrift: "Raiffeisen mischt es den Bauern unter - keine Gen-Soja ins Tierfutter." Die Umweltschützer wollen mehrere Tage auf dem Silogebäude bleiben.
Bei Stichproben von Futtermitteln in Nord- und Süddeutschland hat Greenpeace in den letzten Wochen gentechnisch manipulierte Soja gefunden: Knapp 60% der bei lokalen Warengenossenschaften und anderen Landhändlern erworbenen Futtermittel enthielten Bestandteile aus gentechnisch manipulierter Soja! Die befragten Verkäufer waren in den meisten Fällen nicht über den Gentech-Inhalt ihrer Ware informiert.
Eine Emnid-Umfrage im Auftrag von Greenpeace im März diesen Jahres ergab, daß über 70 % der Landwirte mit Tierhaltung keine gentechisch manipulierten Futtermittel auf ihrem Hof einsetzen wollen. Trotz dieser breiten Ablehnung erklärten Vertreter des Raiffeisenverbandes gegenüber Greenpeace Anfang April in Bonn, daß sie sich nicht für eine Trennung von gentechnisch veränderter und herkömmlicher Soja einsetzen werden. Der Raiffeisenverband rühmt sich einerseits der Tradition der Genossenschaften, in denen die Interessen der Landwirte entscheidend sind, kümmert sich aber andererseits überhaupt nicht um deren Meinung.
Die Raiffeisen-Genossenschaften gehört zu den führenden deutschen Futtermittelherstellern. Das Würzburger Futtermittelwerk verarbeitet Sojaschrot aus Ölmühlen in Rotterdam, Mannheim und Mainz. "Das Würzburger Werk muß von den Ölmühlen in Zukunft gentechnikfreie Soja verlangen, damit die Landwirte in der Umgebung wieder wissen, was in die Futtertröge kommt", sagt Jörg Naumann, Gentechnik-Experte von Greenpeace.
Die Forderung ist realisierbar. Das belegen Beispiele aus Österreich, aber auch aus anderen europäischen Ländern. In der Alpenrepublik bietet ein führender Importeur den österreichischen Bauern bereits Futtermittel ohne gentechnisch manipulierte Bestandteile an.
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Date: Fri, 25 Apr 97 10:54:04 +0200