Presseerklärung vom 26. Juni 1997

 

Greenpeace-Protest bei Gentechnik-Kongreß in Amsterdam

 

Amsterdam, 26.6.97: Greenpeace-Aktivisten aus mehreren europäischen Ländern, darunter auch aus Deutschland, protestieren heute morgen vor dem "Rai-Kongress-Center" gegen die Manipulation von Genen und Öffentlichkeit durch die Gentechnik-Industrie. Sie kippen 10 Tonnen Sojabohnen vor die Kongreßhalle. Über dem Eingang hängt ein Greenpeace-Transparent: "Schluß mit der Manipulation von Natur und Konsumenten!"

Der Protest beim ersten internationalen Kongreß des europäischen Dachverbandes der Gentechnik-Industrie "EuropaBio" richtet sich gegen die Freisetzung gentechnisch manipulierter Organismen und die Verharmlosung der ökologischen Risiken durch die Industrie. Mitglieder des Verbandes sind weltweit tätige Gentech-Firmen wie Monsanto, Novartis, AgrEvo aber auch die Lebensmittelhersteller Nestlé, Unilever und Danone. Hauptziel des Kongresses ist die Erhöhung der Akzeptanz genmanipulierter Lebensmittel beim europäischen Verbraucher.

Für "EuropaBio" hat die global agierende Werbefirma "Burson Marsteller" ein millionenteures Konzept für eine entsprechende "Öffentlichkeitsarbeit" ausgearbeitet, mit der die skeptischen europäischen Konsumenten von den Vorzügen der Gentechnik überzeugt werden sollen. Die imageschädigende Risikodiskussion solle unterdrückt und die angeblichen Vorteile der Gentechnik für die europäische Wirtschaft, die Umwelt und die Welternährung in den Vordergrund gerückt werden.

In den meisten europäischen Ländern lehnt die Mehrheit der Konsumenten die Genmanipulation von Lebensmitteln ab. Sie fordern eine eindeutige Kennzeichnung von gentechnisch manipulierten Lebensmitteln. Dazu ist es unumgänglich, daß natürliche Grundstoffe zur Produktion von Lebensmitteln nicht mit genmanipulierten Bestandteilen vermischt werden.

Die Industrie verweigert die Trennung von natürlichen und gentechnisch veränderten Bestandteilen. In einem Brief vom 18. Juni 1997 an US-Präsident Clinton fordern unter anderem die Gentechnik Unternehmen Monsanto, Agrevo und Novartis den Präsidenten auf, sich gegen jegliche Initiativen der Europäischen Union einzusetzen, die eine Trennung oder eine Kennzeichnung von gentechnisch manipulierten Landwirtschaftsprodukten beabsichtigen. Notfalls solle die Welthandelsorganisation (WTO) eingeschaltet werden, um dieses zu verhindern.

Greenpeace-Sprecher Stefan Flothmann: "Die Zwangsernährung des europäischen Verbrauchers mit Genfood soll jetzt verdaulich verpackt werden. Um die Bedenken der Menschen zu zerstreuen, bedienen sich die Gentechnik-Unternehmen einer PR-Agentur, die schon in anderen Fällen das angeschlagene Image von zwielichtigen Unternehmen aufpoliert hat." So hat Burson Marsteller unter anderem für die US-Firma "Union Carbide" nach der Bhopal-Dioxin-Katastrophe in Indien gearbeitet, die Kahlschlagindustrie in Kanada verteidigt sowie seit 1994 das Image von englischem Rindfleisch aufpoliert. Nach BSE, Dioxin und Kahlschlag versucht man nun der Öffentlichkeit klarzumachen, daß auch von der Gentechnik kein Risiko für Gesundheit und Umwelt ausgeht."

Greenpeace sieht vor allen Dingen ökologische Gefahren durch die Freisetzung von gentechnisch manipulierten Pflanzen und Tieren.

Wissenschaftler wissen nicht einmal, an welcher Stelle das neue Gen in das Erbgut eingebaut wird. So können weder die veränderte Eigenschaften der manipulierten Lebewesen noch die ökologischen Folgen deren Freisetzung vorherbestimmt werden. Da einmal freigesetzt, die neuen Gene von Pflanzen und Tiere nicht mehr rückholbar sind, können irreversible ökologische Folgen für die Natur das Ergebnis sein.


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