Nach "Polly": Forscher fordern Vorsicht bei Klon-E..

dpa 25.07.97 14:39


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Nach "Polly": Forscher fordern Vorsicht bei Klon-Experimenten

Hamburg (dpa) - Nach der "Geburt" des geklonten transgenen Schafes "Polly" haben Wissenschaftler zu umsichtigem Umgang mit Klon- Verfahren aufgerufen. "Man sollte die Chancen nutzen, aber die Risiken ausschalten und eine ganz klare Abgrenzung zu menschlichen Experimenten ziehen", sagte Heiner Niemann vom Institut für Tierzucht und Tierverhalten der deutschen Forschungsanstalt für Landwirtschaft in Mariensee, am Freitag.

"Mit diesem Experiment wurde eine weitere gefährliche Tür geöffnet", fürchtete Ludwig Bispink von der Deutschen Klinik für Fortpflanzungsmedizin in Bad Münder.

Am Donnerstag hatten die schottischen Wissenschaftler, die im Februar mit dem Klonschaf "Dolly" weltweites Aufsehen erregten, erklärt, daß sie das erste Schaf mit einem menschlichen Gen geklont hätten.

Die Forscher der Firma PPL Therapeutics in Edinburgh sagten, das sogenannte transgene Lamm "Polly" könne in seiner Milch menschliche Proteine für therapeutische Zwecke produzieren.

"Die Gewinnung von diesen Proteinen und damit möglicherweise lebenswichtigen Medikamenten ist der einzige Zweck, zu dem das Klonen angewandt werden darf", sagte der Molekularbiologe Eberhard Manz von der Universität Hohenstein.

Niemals dürfe jedoch das Klonen als beliebiges "Spielzeug" mißbraucht werden. Nach Ansicht von Niemann richten sich die Chancen des Klonens nicht nur auf Arzneien: "Auch für Organtransplantationen von Tieren auf Menschen könnten sie wichtig werden", sagte Niemann, der in Mariensee mit sogenannten transgenen Tieren, denen menschliche Gene eingesetzt wurden, experimentiert.

Einer der führenden deutschen Genetiker, Ernst-Ludwig Winnacker, Leiter des Gen-Zentrums in München, sagte, daß "Polly" weder neu noch bedeutend sei. Transgene Schafe gebe es schon seit 1991, transgene Tiere sogar schon seit 1981.

"Polly" sei nur eine Klonwiederholung. Das Lamm wurde wie seine Vorgängerin aus dem Erbmaterial einer bereits ausdifferenzierten Zelle entstanden.

"Mit 'Polly' wurde das Experiment mit 'Dolly' bestätigt", sagte auch Niemann. Schließlich sei in letzter Zeit öfter in Zweifel gezogen worden, daß das Klonverfahren wirklich funktioniert.

Klaus Rajewsky vom Institut für Genetik an der Unversität Köln wollte den Fall "Polly" zunächst nicht weiter bewerten, da er noch keine Einzelheiten kenne. Sollte das bei "Dolly" angewandte Verfahren erneut geglückt sein, spräche dies dafür, daß es zumindest bei Schafen anwendbar sei.

"Es liegt aber nahe, daß diese Techniken weiter verfolgt werden und das ist ein großes Risiko", sagte Bispink. Für Menschen seien Klonverfahren strikt abzulehnen. Auch der britische Tierschutzbund äußerte "starke Bedenken" wegen nicht absehbarer Folgen von Gentechnik und Klonen.

Wissenschaftler, die menschliche Gene transplantierten, könnten mögliche Konsequenzen unter Umständen gar nicht abschätzen. "Eine genaue Beobachtung der Versuche ist sehr wichtig", sagte die Sprecherin Maggy Jennings. dpa im ov


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