dpa 07.08.97 03:30


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Aus dem Labor frisch auf den Tisch: Genfood schmeckt nicht allen Von Andrea Barthelemy, dpa

Hamburg (dpa) - Aus Genlaboren frisch auf den Tisch - Visionen von einem Salat aus Anti-Matsch-Tomaten und genmanipuliertem Mais, dazu ein Glas Milch aus dem Euter der Turbo-Kuh, jagen nach wie vor vielen Verbrauchern einen Schauder den Rücken hinab.

Die Reizthemen in Sachen Gentechnik bei Pflanzen und Tieren sind weit gefächert: Befürworter werfen einen optimistischen Blick in eine biotechnologisch-designte Zukunft, Gegner aus Angst warnen vor aus dem Ruder laufenden Forschungen und unabwägbaren Gesundheitsrisiken.

Nach langem Ringen trat Mitte Mai die Novel-Food-Verordnung der EU in Kraft: Doch die neue Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel, die für mehr Aufklärung sorgen sollte, stellte wegen diverser Definitionslücken die Verbraucher- und Umweltverbände nicht zufrieden.

Anders als bei der Gentechnik in der Pharmazie-Forschung ist die Skepsis gegen entsprechend behandelte Lebensmitteln und Pflanzen nach wie vor groß. Kritiker bemängeln, daß noch zu wenig über die Risiken der neuen Verfahren bekannt ist und Lebensmittel mit nicht mehr identifizierbaren Inhaltsstoffen besonders für Allergiker gefährlich würden.

Generell sind Mikroorganismen und biotechnologische Methoden in der Lebensmittelverarbeitung nichts Neues: Es gibt sie seit Jahrhunderten. Brot, Käse, Joghurt und Fruchtsaft kommen täglich auf den Frühstückstisch.

Sie entstehen mit Hilfe natürlicher Mikroorganismen (Bakterien, Pilze). Deren Produktion kann wiederum durch gentechnische Eingriffe zusätzlich angekurbelt werden. Auch Zusatzstoffe für Lebensmittel und Enzyme werden von genmanipulierten Mikroorganismen fabriziert.

Durch Eingriffe in das Erbmaterial wachsen Früchte heran, die länger frisch bleiben, oder Pflanzen, die gegen Herbizide resistent sind. Auch dem Ernährungsproblem angesichts der wachsenden Weltbevölkerung könne so begegnet werden, glauben manche.

So gelang es jüngst etwa einem deutschen Forscherteam, den molekularen Bauplan einer Ackerpflanze (Arabidopsis thaliana) so zu verändern, daß sie Hitze und Streß besser aushalten - und damit auch in heißen Regionen Ertrag bringen könnten.

"Selbst wenn der Energieverbrauch für die Herstellung von Schutzproteinen einen gewissen Nachteil für die Pflanzen darstellt, könnte das durch erhöhte Streßresistenz wettgemacht werden", sagt Professor Friedrich Schoeffl.

Doch viele Fragen der Gentechnik-Gegner bleiben offen: Auch nach rund 3 000 weltweit vorgenommenen Freisetzungsversuchen transgener Nutzpflanzen sei immer noch unklar, in welchem Maß Resistenzgene gegen Antibiotika oder Herbizide aus den veränderten Pflanzen hinaus ins Ökosystem abwandern könnten, warnt Heinrich Sandermann, der am Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit das Institut für Biochemische Pflanzenpathologie leitet: "Der springende Punkt unseren Forschungen zufolge ist: Die Gene springen quer durch die ganze Natur."

Auch die unvorhergesehene Kreuzung von Kultur- und Wildpflanzen, eine mögliche Verwilderung von Kulturpflanzen oder verstärkte Bildung giftiger Stoffe zählen zu den Risiken.

Anders als bei Pflanzen sieht es bei den Tieren aus: Zwar sind Ziegen, Schafe und Rinder auf dem besten Weg, Rohstofflieferanten für die Pharma-Industrie zu werden - etwa um als eine Art Bio-Reaktor mit ihrer Milch Medikamente zu liefern.

Als genmanipulierte Fleischlieferanten jedoch sind sie derzeit nicht sehr gefragt: Die Turbo-Kuh ist nach einem EU-Moratorium erstmal vom Tisch, Experimente mit Riesenschweinen scheiterten vor allem an den tierquälerischen Aspekten.

Versuche mit Riesenlachsen, die sich in schottischen Zuchttanks tummelten, sind seit kurzem ebenfalls gestoppt: Genfood wird künftig wahrscheinlich eher als kalorienarme Kartoffel denn als Schnitzel auf dem Tisch landen. dpa aj


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