Presseerklärung vom 17.9.1997

Gentech-Soja verändert Fettanteil in Kuhmilch - Greenpeace protestiert vor Zulassungsbehörde

 

Berlin, 17. September 1997. Um auf die unkalkulierbaren Risiken bei der Verwendung gentechnisch veränderter Pflanzen hinzuweisen, protestiert Greenpeace heute mit dem öffentlichen Melken einer Kuhherde vor dem Robert-Koch-Institut in Berlin. Das Institut erteilt unter Aufsicht des Bundesgesundheitsministeriums die Zulassungen für Anbau und Vertrieb gentechnisch veränderter Pflanzen. "Gensoja macht Fett - und sie wissen nicht warum!" steht auf einem Greenpeace-Transparent vor dem Robert-Koch-Institut. Öffentlich bekannt wurde jetzt ein unerklärlicher Nebeneffekt beim Einsatz von Gentech-Soja: Kühe, die mit gentechnisch veränderter Soja gefüttert werden, produzieren mehr Milchfett als beim Verzehr von natürlicher Soja. Unklar ist jedoch die Ursache für diesen Effekt.

Greenpeace-Gentechnikexperte Dr. Jan van Aken: "Offensichtlich wird der Sojapflanze ein Gen eingebaut, ohne zu wissen, was man damit anrichtet. Die Pflanzen sollen eigentlich nur ein Herbizid überleben, nicht aber die Milchfettwerte bei Kühen verändern. Immer wieder behaupten Gentechunternehmen und Zulassungsbehoerden, Gen-Soja sei gleich Natur-Soja, da gebe es keinen Unterschied. Das ist falsch. Gentechnik im Essen birgt mehr Risiken, als die Verantwortlichen bislang eingestehen wollen."

Greenpeace fordert deswegen die Rücknahme der Zulassung für gentechnisch veränderte Soja. Kürzlich hat auch der Leiter der zuständigen Abteilung beim Robert-Koch-Institut mitgeteilt, daß die achtprozentige Zunahme des Milchfetts bei Kühen bei der Zulassung der genmanipulierten Soja hätte berücksichtigt werden müssen.

Das Gentechnikunternehmen Monsanto hat ein Herbizidtoleranz-Gen in die Sojapflanze eingefügt, damit die Pflanze ein ebenfalls von Monsanto vertriebenes Herbizid zur Unkrautvernichtung überlebt. Andere Eigenschaften der Pflanze sollten durch diese Genmanipulation nicht verändert werden. Kein Experte kann bislang jedoch eine Erklärung für den angestiegenen Fettgehalt in der Kuhmilch liefern. Zudem stellt sich die Frage, welche weiteren Veränderungen in der Soja stattfinden und welche noch unerkannte Wirkungen Gensoja auf den Menschen hat.

Monsantos Fuetterungsversuche von Kühen mit gentechnisch veränderter Soja sind Teil des Zulassungsantrages für Gen-Soja in Europa. Auf der Grundlage dieses Antrags entscheidet die EU-Kommission über die Genehmigung zur Vermarktung der veränderten Pflanze.

Um möglichen Schaden von den Verbrauchern abzuwenden, fordert Greenpeace ein sofortiges Verbot des Einsatzes von Gentech-Soja in Lebensmitteln. Außerdem soll Gesundheitsminister Seehofer sich bei der EU-Kommission in Brüssel dafür einsetzen, daß die Zulassung der Gentech-Soja überprüft und gegebenenfalls zurückgezogen wird.

Date: Wed, 17 Sep 97 10:44:25 +0200


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