Das Dilemma mit dem Gen-Food: Kohl und Greenpeace ..

dpa 12.10.97 10:32


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Das Dilemma mit dem Gen-Food: Kohl und Greenpeace auf der Anuga Von Christian Volbracht, dpa

Köln (dpa) - Draußen vor dem Tor der Welternährungs-Messe Anuga in Köln hat Greenpeace eine große Plastiktrommel mit 400 000 Unterschriften gegen gentechnisch verändertes Soja aufgestellt. Drinnen hielt sich der deutsche Regierungschef Helmut Kohl nach dem Messeauftakt demonstrativ lange am Stand von Nestle auf, dem Konzern, der am wenigsten geneigt ist, den Verbraucher-Ängsten durch einen Verzicht auf Gen-Food nachzugeben.

Die meisten Aussteller und Besucher gehen unbekümmert an den Greenpeace-Leuten vorbei. Auf den verteilten Handzetteln wird angezeigt, daß "Nuts"-Riegel von Nestle vielleicht noch Lecithin aus Gentech-Soja enthalten und daß die Firma Brandt für ihren Zwieback jetzt Ei statt Lecithin als Emulgator nimmt. Brandt wurde damit von einer grauen Liste gestrichen, auf der alle Firmen stehen, die nicht bereit waren, gegenüber Greenpeace eindeutig zu erklären, daß sie auf Gen-Soja verzichten.

Man weiß nichts Genaues, heißt das Dilemma für die Verbraucher: Lecithin aus Soja ist in zahllosen Lebensmitteln enthalten, ebenso Soja-Öl, ohne Nachweismöglichkeit für die gentechnischen Veränderungen. Nestle-Deutschland verzichtet nach Angaben von Greenpeace auf Gen-Soja, Nestle International nicht. Eindeutige Kennzeichnungen gibt es nicht, die künftige Regelung nach der Novel- Food-Verordnung der EU reicht vielen Umweltbewußten nicht aus.

Bundeskanzler Kohl rief in seiner Anuga-Rede dazu auf, die Verbraucher-Ängste ernst zu nehmen, aber nicht durch Verzicht. "Die Verbraucher müssen mehr über moderne genetische Verfahren wissen, über Chancen und Risiken für Mensch und Umwelt, ebenso aber auch über die große wirtschaftliche Bedeutung für unser Land."

Vertreter der Lebensmittel-Industrie schieben die Verantwortung für die Gentechnik gern den Regierungen zu. Man könne gentechnisch veränderte Soja-Bohnen nicht von den anderen unterscheiden, sagte vor Beginn der Anuga-Messe am Samstag der Hauptgeschäftsführer der deutschen Ernährungsindustrie, Matthias Horst. Als nächstes werde gentechnisch verändertes Rapsöl folgen.

Greenpeace sieht das anders: "Die geballte Marktmacht der deutschen Lebensmittel-Industrie ist ohne Zweifel in der Lage, auch langfristige Verträge für natürliche Soja abzuschließen." Ohne den erforderlichen Druck werde sich beim internationalen Getreidehandel und in der Politik nicht viel bewegen. dpa jb


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