Date: Fri, 21 Nov 97 12:56:46 +0100
From: redaktion@greenpeace.de
Subject: Der Gensoja auf der Spur
Presseerklärung vom 21.11.1997
Der Gensoja auf der Spur
Mainz, 21.11.97: Mit mobilen Transparenten verfolgen Greenpeace-Aktivisten heute morgen LKW-Transporte von Sojaöl und Sojaschrot aus der Ölmühle "Soya Mainz" zu den Verarbeitungsbetrieben. Gestern hatte Greenpeace die Firma "Soya Mainz" aufgefordert, ihre Abnehmerliste offenzulegen, damit der Weg der Soja gekennzeichnet werden kann. Die Offenlegung hatte die Mainzer Ölmühle jedoch verweigert. Seit dem 1.November gilt eine EU-weite Richtlinie zur Kennzeichnung genmanipulierter Lebensmittel.
"Da die Gesetzgeber geltendes Recht nicht umsetzen, müssen wir selbst aktiv werden", so Greenpeace-Gentechnik-Experte Jan van Aken. "Das Fehlen einer Kennzeichnung wollen wir nicht hinnehmen." Nach wie vor werden den Verbrauchern genmanipulierte Lebensmittel untergejubelt. Alle Bestandteile genveränderter Pflanzen, die in Lebensmittel verarbeitet werden, sollten nach Verbraucherwünschen mit einem deutlich sichtbaren Symbol gekennzeichnet werden. Das ergab eine Emnid-Umfrage Anfang Oktober. Auch tierische Erzeugnisse wie Eier, Milch und Fleisch von mit Genschrot gefütterten Tieren sollen ein entsprechendes Symbol tragen, so die große Mehrheit der von Emnid befragten Verbraucher.
"Wir wissen nicht, welche Risiken die Gentechnologie langfristig für die Umwelt und die Gesundheit der Menschen birgt", sagt Jan van Aken. Deshalb fordert Greenpeace nicht nur die Kennzeichnung aller gentechnisch manipulierten Lebensmittel. Eine notwendige Maßnahme ist auch die Trennung von gentechnisch veränderten und herkömmlich erzeugten Rohstoffen, um eine lückenlose Kennzeichnung vom Acker bis auf den Teller zu ermöglichen.
Bislang verhindern vor allem US-amerikanische Unternehmen wie ADM (Archer Daniels Midland) eine solche Trennung. Dieser Getreidehändler hatte vor kurzem die Mainzer Ölmühle übernommen und verarbeitet vermischte Ernten. Kunden der Ölmühle erhalten somit zwangsläufig genmanipulierte Rohstoffe, die als Lebensmittel- und Futtermittelzutaten in den Handel gelangen.
Greenpeace lehnt grundsätzlich die Herstellung von genmanipulierten Lebensmitteln und die Freisetzung von gentechnisch veränderten Organismen in die Umwelt ab.