Gentech-Weihnachtsmänner bei Seehofer

Presseerklärung vom 10.12.1997

Greenpeace präsentiert Gesundheitsminister Seehofer Wunschzettel der Verbraucher: "Wo Gentechnik drin ist, muß Gentechnik draufstehen!"

Bonn, 10.12.97: Zehn als Weihnachtsmänner verkleidete Greenpeace-Aktivisten demonstrieren heute in Bonn vor dem Gesundheitsministerium für eine umfassende Kennzeichnung genmanipulierter Lebensmittel. Vor das Ministerium plazierten sie einen Stiefel, der mit mehr als tausend Lebensmittelpäckchen gefüllt ist. Ihre Entgegennahme auf dem Postweg hatte das Ministerium in den letzten Monaten verweigert. Die Aktivisten verteilen vor dem Ministerium 200 Schokoweihnachtsmänner, in denen der Wunschzettel der Verbraucher nach eindeutiger Kennzeichnung steckt. Anlaß ist das heutige Treffen der zuständigen Ländervertreter, die im Bonner Gesundheitsministerium die Kennzeichnung genmanipulierter Lebensmittel beraten.

Mitmacher der Greenpeace-Verbraucherkampagne "EinkaufsNetz" hatten seit Anfang September ungekennzeichnete Lebensmittel, die genmanipulierte Bestandteile enthalten können, an Minister Horst Seehofer geschickt. Von ihm wollten sie wissen, ob die Produkte tatsächlich genmanipuliert sind. Das Ministerium hatte jedoch die Annahme der eingesandten Lebensmittel verweigert und sich für nicht zuständig erklärt, solche Anfragen zu beantworten.

Der öffentliche Druck durch das "EinkaufsNetz" hat inzwischen die Hersteller dieser Produkte (Brandt-Zwieback, Jokisch, Ludwig-Schokolade, Griesson) dazu bewegt, Erklärungen abzugeben, auf den Einsatz von genmanipulieren Rohstoffen zu verzichten.

"Lebensmittelhersteller nehmen die Sorgen der Verbraucher ernster als der Gesundheitsminister", sagt in Bonn Dieke Bobbink, Gentechnikexpertin von Greenpeace. "Die Öffentlichkeit akzeptiert die ökologischen und gesundheitlichen Risiken nicht, die von genmanipulierten Lebensmitteln ausgehen. Der Vorschlag der EU-Kommission zur Kennzeichnung ist völlig unakzeptabel. Greenpeace fordert Minister Seehofer auf, diesen Vorschlag im Sinne der Verbraucher abzulehnen."

Nach dem Kommissionsvorschlag zur Kennzeichnung genmanipulierter Soja- und Maislebensmittel soll in Zukunft nur ein Bruchteil der veränderten Produkte gekennzeichnet werden. Soja-Lecithin und -Ölprodukte sowie Lebensmittel von Tieren, die mit Gennahrung gefüttert wurden, werden nach diesem Vorschlag nicht als manipulierte Waren erkennbar. Die vorgesehene Kennzeichnung beschränkt sich zudem lediglich auf eine Notiz in der Zutatenliste. Ein eindeutiges Symbol auf den Verpackungen ist nicht vorgesehen. Dies entspricht nicht dem Wunsch der Verbraucher nach eindeutiger Kennzeichnung. Belegt wird dies durch eine repräsentative Umfrage von Emnid, die Greenpeace im Oktober 1997 in Auftrag gegeben hatte.


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