Hannoversche Allgemeine Zeitung, 20.12.97

 

Rapsgene auch in Wildkräutern entdeckt

Griefahn fordert strengere Auflagen bei Genehmigungen

Hannover (kau). Veränderte Erbinformationen von genmanipulierten Rapspflanzen haben bayerische Forscher jetzt auch in Wildkräutern und anderen Kulturpflanzen entdeckt. Dies berichteten nach Angaben von Umweltministerin Monika Griefahn Experten aus ganz Deutschland, die diese Woche in Hannover tagten. In Niedersachsen ist beobachtet worden, daß verändertes Erbmaterial in anderen Rapspflanzen auftaucht. Dies ist auch in Begleitversuchen in Rheinland-Pfalz und Sachsen festgestellt worden, sagten die Forscher.

"Die Auswirkungen von Freisetzungsversuchen sind immer noch nicht klar", kritisierte Griefahn. Das Robert-Koch-Institut in Berlin, das die Versuche genehmigt, müsse strengere Auflagen machen, damit ein möglicher Schaden begrenzt bleibe. Problematisch sei vor allem der unerwünschte Pollenflug auf Nachbarfelder, deren Besitzer beispielsweise als Biobauern gentechnikfreie Produkte anbieten wollten.

Je größer die Versuchsfelder mit manipulierten Pflanzen seien, desto weiter würden die Pollen in die Umgebung getragen, sagte Griefahn. In Bayern fanden Mitarbeiter des GSF-Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit in Neuherberg die veränderten Erbinformationen des Rapses in Ackersenf und Rüben sowie Gemüsekohl wieder. Ob auch Bodenorganismen das Material aufnehmen könnten, sei bislang noch nicht erforscht, gelte aber als wahrscheinlich. Professor Martin Schlegel von der Universität Leipzig berichtete, in der Umgebung transgener Felder seien Bienen, Schwebfliegen und Hummeln mit verändertem Pollen beladen gewesen. Offen sei noch, ob die veränderten Gene, die auf einen anderen Organismus übergehen, auch von diesem weitervererbt werden können.

Der Landwirtschaftsexperte der niedersächsischen Grünen, Erich von Hofe, forderte einen Stopp aller Freisetzungsversuche. Es reiche nicht, strengere Auflagen zu verlangen, sagte von Hofe. Die Auskreuzung von manipulierten Erbinformationen sei ein Eingriff in das Eigentum Dritter. Die Freilandversuche gefährdeten die Existenz der Biobauern.

In Niedersachsen und Bayern werden derzeit Unterschriften für Volksbegehren zur Kennzeichnung gentechnikfreier Nahrungsmittel gesammelt. In eineinhalb Wochen seien in Niedersachsen bereits 12 000 Unterschriften zusammengekommen, sagte von Hofe. "Das ist ein prima Start." Die Initiative muß innerhalb von sechs Monaten 25 000 Unterschriften sammeln, damit das Volksbegehren zugelassen wird.


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